Am heutigen Cafè nahmen viele (ca. 25) Schüler/innen teil, die offensichtlich das zugegebenermaßen provokant formulierte Thema angelockt hat. Auffallend und erfreulich war, dass sich viele Schüler aus dem Biennium diesmal beteiligt haben.
Als Eingang wurde die Frage in den Raum gestellt, ob es stimmt, dass junge Frauen ihr Aussehen über die Persönlichkeit, bzw. die Ausbildung stellen? Dies wurde in einer unlängst veröffentlichten Statistik zum Sozialverhalten junger Italienerinnen behauptet. Stellt diese gesellschaftliche Einstellung das Ende des Femminismus, bzw. der Gleichberechtigungsbewegung dar und lässt sich eine derartige Entwicklung auch unter der Jugend Südtirols fest stellen?
Die Schülerinnen bestätigten, dass der gesellschaftlicher Druck, gut auszusehen, auch in Südtirol auf ihnen lastet . Frauen haben seid jeher ihre Reize zur Verwirklichung von Zielen eingesetzt, wobei das wiederum oftmals kontraproduktiv für die Emanzipation und Gleichstellung in der Gesellschaft, v.a. in der Berufswelt, ist. Da wir in einer von Männern dominierten Welt leben, führt die Ausnutzung des eigenen Charms oft dazu, dass Frauen als Objekte angesehen und nicht nach ihren Fähigkeiten bewertet werden.
Die Schüler stellten fest, dass es sich jedoch wohl auch um ein Vorurteil handelt, wenn behauptet wird, dass v. a. Frauen besonderen Wert auf ihr Äußeres legen. In der Tat sind auch moderne Männer sehr eitel und würden dementsprechend darauf achten wie sie sich nach Außen hin zeigen. Ebenso wurde behauptet, dass die soziale Bedeutung des oberflächlichen Aussehens kulturell bedingt sei. Immerhin soll es in Städten wichtiger sein wie man sich präsentiert, als in einem kleinen Dorf. Ebenso wurde bemerkt, dass der italienische Kulturkreis eher für die überzogene Bedeutung des Aussehens empfänglich sei, ohne dabei jedoch Verallgemeinern zu wollen.
Ob man sich übertrieben schminkt oder kleidet hat auch mit dem Freundeskreis zu tun, in dem man sich bewegt, und wohl fühlt. Ebenso wichtig war es den Schülerinnen klar zu stellen, dass hübsches Aussehen auch ein Ausdruck von Persönlichkeit sein kann und nicht immer als Persönlichkeitsschwäche dargestellt werden soll. Obwohl zugegeben wurde, dass sich viele junge Frauen (und Männer) "auftackeln" um dazu zu gehören.
Ein weiteres Thema das angesprochen wurde, ist der Einfluss der Medien auf den oben beschriebenen gesellschaftlichen Druck. Schöne, schlanke und elegante Menschen werden gezeigt und als Ideal dargestellt. Aus diesem Grund streben wohl viele junge Menschen nach diesen oberflächlichen Werten und vergessen wie wichtig es ist, sich selbst zu akzeptieren für das was man (frau) ist und nicht für das was man (frau) sein möchte.
Piero Di Benedetto