Bei diesem Treffen im Politischen Café ging es um die alljährliche Kranzniederlegungsfeiern an verschiedenen Schauplätzen in Südtirol, welche immer wieder Kontraste zwischen den Sprachgruppen herbei führen. Herausragend ist hierbei die Kranzniederlegung einiger Politiker der italienischsprachigen rechtsgerichteten Parteien am "Siegesdenkmal" in Bozen. Anhand von drei Zeitungsberichten der Südtiroler Tageszeitungen in deutscher und italienischer Sprache, wurde das Thema eingeleitet.
Die jungen Cafébesucher hoben einhellig die Nutzlosigkeit derartiger Feiern hervor, auch wenn der eigentliche militärischen Hintergrund (Ehrung aller im Krieg Gefallenen) erkannt wurde. Dies deshalb, weil es dabei in unserem Land immer wieder Provokationen gibt, bzw. weil sich Menschen provozieren lassen oder sich provoziert fühlen. Wenn man vermeiden würde, derartige Feiern an strittigen Orten abzuhalten, gäbe es weniger Gründe für Kontraste zwischen den Sprachgruppen. Die Diskussion driftete unvermeidlich in den Themenkreis "Identität der Südtiroler Sprachgruppen" ab. Dabei wurde die Frage gestellt, ob es gerechtfertigt sei, wenn die Schützen mit dem Landeshauptmann an der Spitze am "Andreas Hofer Denkmal" in Meran ihre militärischen Ehrerbietungen abhalten würden? Und ob sich davon die italienischsprachigen Südtiroler provoziert fühlen dürften? Ein Großteil der Gruppe vertrat die Meinung, dass es zur deutschsprachigen Tradition gehöre in Schützentracht aufzutreten und dass diese Tradition zu respektieren sei. Andere antworteten darauf mit der Gegenfrage, ob es den italienischsprachigen Mitbürgern verwehrt bleiben sollte, sich z. B. mit den Alpini zu identifizieren, die sich am 4. November am Walterplatz aufstellen, um den gefallenen Kameraden zu gedenken? Diese Diskussion wurde mit der Erkenntnis beendet, dass sich bei derartigen Themen immer wieder einige Südtiroler aller Sprachgruppen provoziert fühlen werden und dass die verschiedenen Identitätsempfindungen zu respektieren seien. Dass man Provokationen jedoch, mit gutem Willen und durch die Verhinderung von provokantem Auftreten vor bestimmten Denkmälern, verringern könnten.
Zuletzt wurde über die Gegendemonstration der "Antifa-Bewegung Meran" in Bozen gesprochen. Diese Bewegung versuchte friedlich, gegen jede Art von Faschismus, u. a. die Kranzniederlegung am "Siegesdenkmal", aufzutreten. Dabei war es unerheblich welcher Sprachgruppe die Demonstranten angehören und stellte somit eine sprachgruppenübergreifende Versanstaltung dar. Die Cafébesucher begrüßten die Aktion grundsätzlich, da sie friedlich abgehalten wurde, da der sprachgruppenübergreifende Charakter vorhanden war und weil die Jugend in Südtirol nach der gescheiterten Schülerdemo im Oktober, bewiesen hat, dass sie in der Lage ist, eigene politische Ideen an die Öffentlichkeit zu tragen.
Piero Di Benedetto
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen